Kleinwuchs infolge einer vorgeburtlichen Wachstumsverzögerung (SGA)

Krankheitsbild

5% aller Neugeborenen werden zu klein und/oder zu leicht geboren. Ob ein Neugeborenes zu klein und/oder zu leicht ist, bestimmt der Neonatologe mit Hilfe spezifischer Normwertkurven. Liegt das Geburtsgewicht und/oder die Geburtslänge unterhalb einer bestimmten Kurve (der 3. Perzentile) spricht man aus endokrinologischer Sicht (aus Sicht eines Hormonspezialisten) von SGA (small for gestational age, d.h. zu klein und/oder zu leicht für das Schwangerschaftsalter). Demzufolge kann sowohl ein Frühgeborenes als auch ein Reifgeborenes als SGA-Kind eingestuft werden.

Ursachen von SGA

Die Ursachen, warum ein Kind zu klein auf die Welt kommt, können sehr vielfältig sein und reichen von genetischen Defekten über suboptimale Bedingungen in der Gebärmutter bis hin zu äußeren Einflüssen. Die immer noch häufigste Ursache für eine SGA-Geburt liegt im Alkohol- und Nikotinkonsum während der Schwangerschaft. Ferner können z.B. folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • chronische Nierenerkrankungen
  • Zuckerkrankheit der Mutter
  • angeborene Fehlbildungen oder Stoffwechselstörungen des Ungeborenen
  • Körperhöhe der Eltern

Je nach Ursache und Schwangerschaftsalter kann dies zu einer intrauterinen (in der Gebärmutter stattfindenden) Wachstumsverzögerung (intrauterine Wachstumsretardierung, IUGR) führen. Die Entwicklungsprognose eines Kindes mit einer intrauterinen Wachstumsretardierung ist abhängig von der jeweiligen Ursache. Infektionen während der Schwangerschaft können beispielsweise zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Entwicklungsstörungen im Säuglings- und Kindesalter führen. Kinder, die mit einer intrauterinen Wachstumsretadierung geboren werden, können sich genauso gut entwickeln wie Kinder, deren Geburtslänge im Normbereich liegt.

Entwicklung der Körperhöhe

Die meisten SGA-Kinder entwickeln sich nach der Geburt völlig normal. Dies bedeutet, sie haben das Wachstumsdefizit bis zum 4. Lebensjahr aufgeholt und sind dann normal groß. Etwa 10% der Kinder holen jedoch ihren Wachstumsrückstand nicht vollständig auf und bleiben auch noch nach Jahren zu klein für ihr Alter. Man spricht dann von einem fehlenden Aufholwachstum. Wenn Eltern dann den Kinderarzt aufsuchen und ihre Bedenken bezüglich der Körperhöhe ihres Kindes äußern, sollten diese ernst genommen werden.

Studien belegen, dass das Aufholwachstum in den meisten Fällen nach dem 2., spätestens aber bis zum 4. Lebensjahr abgeschlossen ist. Danach ist die Prognose für ein Aufholen der Körperhöhe schlechter. Um einen Kleinwuchs im Erwachsenenalter und weitere Spätfolgen für das Kind zu verhindern, sollte eine umfassende Diagnostik des Kleinwuchses eingeleitet werden und eine Überweisung zum Spezialisten für Hormonstörungen (Kinder-Endokrinologe) ausgestellt werden.

Äußeres Erscheinungsbild

Teilweise entwickeln SGA-Kinder ein oder mehrere der unten aufgeführten äußerlichen Merkmale:

  • dreieckige Gesichtsform
  • vergleichsweise großer Kopfumfang
  • vorstehende Stirn
  • geringes Körpergewicht
  • dünne Gliedmaßen
Therapie

Bei SGA-Kindern liegt in den meisten Fällen kein Mangel an Wachstumshormon vor. Deshalb fallen im Allgemeinen die Stimulationstests, wie sie normalerweise beim Wachstumshormonmangel vorgeschrieben sind, weg. Die Diagnose "Kleinwuchs infolge von SGA" wird anhand der Messung von Körperhöhe und der Berechnung der Wachstumsgeschwindigkeit gestellt. Hinzu kommen die Körperhöhe der Eltern, das Alter des Kindes und die entsprechenden Daten zur Geburtslänge und dem Geburtsgewicht. Letztere werden in der Klinik erhoben, wo das Kind geboren wurde, und werden im „gelben Untersuchungsheft“ niedergeschrieben. Ihr behandelnder Kinderarzt kennt diese Einschlusskriterien und kann die entsprechenden Berechnungen durchführen.

Anhand aller Messwerte und seiner Diagnose eines Kleinwuchses infolge von SGA wird Ihr Arzt über eine Therapie mit Wachstumshormon entscheiden. Je früher eine Behandlung einsetzt und je größer der Unterschied zur Zielgröße des Kindes ist, umso größer ist der zu erwartende Erfolg dieser Therapie.

Die Therapiedauer hängt vom Schluss der Wachstumsfugen der Knochen ab.

Bei manchen Kindern verbessert sich das Wachstum trotz einer Wachstumshormontherapie nicht. In diesem Fall wird Ihr Arzt entscheiden, ob und wann die Behandlung beendet werden sollte.